Nichts verheimlichen...

Hierfür eine eigene Kategorie, weil dieses Thema nochmals einen ganz anderen Stellenwert hat und auch in den Vätergruppen i.d.R. einzeln zu betrachten ist.

Nichts verheimlichen...

Beitragvon Bayerntigger » Do 10. Dez 2009, 19:46

Nun ja.. ich meine jeder muß es für sich so entscheiden, dass es ihm danach gut geht.
Wir, d.h. meine Ex und ich, hatten es den Kindern offen erzählt. Beide Buam 11+9 Jahre alt, hatten es natürlich ohne Kommentar angenommen. Wir hatten zuerst davon gesprochen, dass wir uns nicht mehr verstehen. Darauf hin hatten wir in getrennten Zimmern geschlafen. Nachdem ich mich immer mehr für das schwule Leben entschieden habe, hatten wir schon offen darüber gesprochen, dass ich "jetzt" schwul bin. Besser sie erfahren es von ihren Eltern, als von anderen, wie den lästigen Verwandten.
Bis heute verstehen ich mich immer noch gut mit den Jungs, obwohl ich jetzt schon lange ausgezogen bin.
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Re: Nichts verheimlichen...

Beitragvon Kassel007 » Fr 11. Dez 2009, 14:00

Bayerntigger hat geschrieben:Besser sie erfahren es von ihren Eltern, als von anderen, wie den lästigen Verwandten.


Das sehe ich auch so. Zum einen kann man es den Kindern behutsam und wohlüberlegt beibringen - zum anderen sind die Kinder dann auch vorgewarnt und so gegen Anfeindungen durch die - wie du so schön sagst - "lästigen Verwandten" oder schlimmer noch durch Gleichaltrige gerüstet.

Welche Vorschläge zum Verhalten in einem solchen Fall könnte man ihnen mit auf den Weg geben?
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Re: Nichts verheimlichen...

Beitragvon holger » So 13. Dez 2009, 10:44

Besser sie erfahren es von ihren Eltern, als von anderen, wie den lästigen Verwandten.


Wir haben gerade einen Fall in der Gruppe, bei dem der Vater von dem Onkel (Verwandtschaft der Mutter) zum Sohn hin geoutet wurde. Prekäre Situation: Der Vater steht erst ganz am Anfang seines outing Prozesses und mit der Mutter war stillschweigen vereinbart. Der Sohn ist 13, kann nicht damit umgehen, hatte vorher immer mal wieder homophob reagiert, hat seinen Vater als "schwule Sau" bezeichnet und wochenlang nicht mit ihm geredet.
Langsam, jetzt nach 5 Wochen findet wieder eine Annäherung statt... ...mal sehen, wo es hinläuft.

Ich sehe das genauso, dass man es den Kindern überlegt und behutsam beibringen muss. Das oben ist sicherlich ein Einzelfall - zumindest habe ich es in unserer Gruppe so erlebt. Man kann aber nicht immer die Kontrolle über alles haben und muss damit rechnen, dass sich Dinge manchmal verselbstständigen.

In dem oben genannten Fall glaube ich, dass es die Zeit bringen wird. Die werden sich wieder vertragen. Ich weiss, dass es vorher nie wirkliche Spannungen zwischen Vater und Sohn gab, so dass man sich nach dem ersten Schock sammeln wird und wieder zueinander findet.

Aber die Frage ist letztendlich: Wann sage ich es dem Kinde? Soll ich es verheimlichen oder so schnell wie möglich sagen?
Es gibt so viele Faktoren:
1. Kinder interessiert die Sexualität der Eltern eigentlich nicht.
2. Ab welchem Alter können sie überhaupt realisieren, was Homosexualität bedeutet?
3. Welche "Absicherung" und "Unterstützung" bietet das Umfeld. Kann man dort etwas kontrollieren oder passiert womöglich etwas wie, siehe oben?
4. Mit "Umfeld" ist auch die Frage, wer einbezogen sein muss gemeint, um für die Kinder "Sicherheitsnetze" zu bieten: ...kann die Mutter das, die vielleicht selbst von der Situation verletzt ist? Verwandte? Wer steht zu einem, wem kann man vertrauen? Muss man Lehrer einbeziehen, falls ich das Kind verplappert und im Pausenhof - wie sagt man heutzutage - "gedisst" wird?

Gibt es den richtigen Zeitpunkt überhaupt?

Ich glaube, es lohnt sich darüber nachzudenken und - letztendlich - sich einen Plan zu machen. Dabei so viele Punkte, Menschen und Eventualitäten wie möglich zu berücksichtigen und dann auf "die Reise" der Umsetzung zu gehen.
Ab einem bestimmten Punkt hat man(n) es nicht mehr selbst in der Hand, kann aber versuchen diesen Punkt so weit wie möglich herauszuziehen.
...und dann, sollte man vielleicht warten, was die "Zeit" bringt. Die regelt vieles...
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Re: Nichts verheimlichen...

Beitragvon Jörg » So 13. Dez 2009, 10:49

Auch wenn das Fremd-Outing an sich die Selbstbestimmung des geouteten schwulen Vaters massiv einschränkt und grundsätzlich abzulehnen ist, kann es doch neben der anfänglichen Katastrophe einen Prozess in Gang bringen, der sich ansonsten wohlmöglich noch lange hingezogen hätte.
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Re: Nichts verheimlichen...

Beitragvon Bayerntigger » Do 24. Dez 2009, 13:04

zu der Frage: Welche Vorschläge zum Verhalten in einem solchen Fall könnte man ihnen mit auf den Weg geben?
Ich meine es ist am Besten natürlich damit umzugehen. Was ich jetzt nicht machen würde, mit den Kindern zu einer schwulen Veranstaltung gehen oder vor den Kindern mit den Partner schmusen.
Kann man die Kinder überhaupt auf Situtationen vorbereiten?? Sind diese nicht alle zu verschieden, dass man da nach ein bestimmten Schema reagieren könnte?
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Re: Nichts verheimlichen...

Beitragvon manfred » Mo 25. Jan 2010, 11:36

Bayerntigger hat geschrieben:...oder vor den Kindern mit den Partner schmusen...

Warum denn eigentlich nicht ?
Zu zeigen, dass man jemanden liebt oder gerne hat, kann nicht negativ sein.
Bekommen die Kinder denn sonst nicht beigebracht, dass man Gefühle nicht zeigen darf
oder dass schwul sein dann doch etwas Schlimmes ist ?
...und später haben sie die gleichen Probleme.
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