Besser sie erfahren es von ihren Eltern, als von anderen, wie den lästigen Verwandten.
Wir haben gerade einen Fall in der Gruppe, bei dem der Vater von dem Onkel (Verwandtschaft der Mutter) zum Sohn hin geoutet wurde. Prekäre Situation: Der Vater steht erst ganz am Anfang seines outing Prozesses und mit der Mutter war stillschweigen vereinbart. Der Sohn ist 13, kann nicht damit umgehen, hatte vorher immer mal wieder homophob reagiert, hat seinen Vater als "schwule Sau" bezeichnet und wochenlang nicht mit ihm geredet.
Langsam, jetzt nach 5 Wochen findet wieder eine Annäherung statt... ...mal sehen, wo es hinläuft.
Ich sehe das genauso, dass man es den Kindern überlegt und behutsam beibringen muss. Das oben ist sicherlich ein Einzelfall - zumindest habe ich es in unserer Gruppe so erlebt. Man kann aber nicht immer die Kontrolle über alles haben und muss damit rechnen, dass sich Dinge manchmal verselbstständigen.
In dem oben genannten Fall glaube ich, dass es die Zeit bringen wird. Die werden sich wieder vertragen. Ich weiss, dass es vorher nie wirkliche Spannungen zwischen Vater und Sohn gab, so dass man sich nach dem ersten Schock sammeln wird und wieder zueinander findet.
Aber die Frage ist letztendlich: Wann sage ich es dem Kinde? Soll ich es verheimlichen oder so schnell wie möglich sagen?
Es gibt so viele Faktoren:
1. Kinder interessiert die Sexualität der Eltern eigentlich nicht.
2. Ab welchem Alter können sie überhaupt realisieren, was Homosexualität bedeutet?
3. Welche "Absicherung" und "Unterstützung" bietet das Umfeld. Kann man dort etwas kontrollieren oder passiert womöglich etwas wie, siehe oben?
4. Mit "Umfeld" ist auch die Frage, wer einbezogen sein muss gemeint, um für die Kinder "Sicherheitsnetze" zu bieten: ...kann die Mutter das, die vielleicht selbst von der Situation verletzt ist? Verwandte? Wer steht zu einem, wem kann man vertrauen? Muss man Lehrer einbeziehen, falls ich das Kind verplappert und im Pausenhof - wie sagt man heutzutage - "gedisst" wird?
Gibt es den richtigen Zeitpunkt überhaupt?
Ich glaube, es lohnt sich darüber nachzudenken und - letztendlich - sich einen Plan zu machen. Dabei so viele Punkte, Menschen und Eventualitäten wie möglich zu berücksichtigen und dann auf "die Reise" der Umsetzung zu gehen.
Ab einem bestimmten Punkt hat man(n) es nicht mehr selbst in der Hand, kann aber versuchen diesen Punkt so weit wie möglich herauszuziehen.
...und dann, sollte man vielleicht warten, was die "Zeit" bringt. Die regelt vieles...