Ein Ehemann findet zu seiner Homosexualität
Geliebte Lüge von Marco Giacopuzzi
Sendung am Dienstag, 19.01.2010, 23.00 bis 23.30 Uhr im SWR
Niemand schöpfte Verdacht, dass an dieser Ehe etwas nicht stimmen könnte. Einzig den Bräutigam plagten "böse Gedanken" und das nicht erst seit diesem Tag.
Doch mit niemandem konnte Horst darüber reden. Nur Gott sagt es keinem weiter, darum betete Horst fast jeden Tag am Grabe seines Vaters: "Lieber Gott, lass mich nicht schwul sein"!
Seit Horst 14 war, kamen sie immer wieder hoch: die Gedanken an Jungs und der Wunsch, mit ihnen Sex zu haben. Sein erstes "Ausprobieren" redete er sich als "Jugendsünde" wieder schön. Schließlich konnte nicht sein, was nach seiner katholischen Erziehung nicht sein durfte - schon gar nicht in einem kleinen Dorf, wo sich so schnell alles rumspricht. Horst verdrängte seine Homosexualität über Jahre, Jahrzehnte erfolgreich - seine Mutter tut es bis heute. Und schließlich: Horst liebte ja seine Elly, seine ihm angetraute Ehefrau. Zusammen brachten sie vier Kinder zur Welt. Es war eine harmonische Ehe - nach innen und nach außen. Bis eines Tages wieder diese Gedanken kamen, vor denen ihn seine Mutter immer gewarnt hatte. Horst beginnt sich zurückzuziehen, fängt an zu trinken, weiß keinen Ausweg mehr, wie es weiter gehen soll.
Eines Tages gesteht er seiner Ehefrau Elly: "Ich bin schwul!". Für Elly bricht eine Welt zusammen, für die Kinder ist es zunächst ein Schock. Sie alle wissen nicht, mit wem sie darüber sprechen können. Was mit dem Versprechen der ewigen Liebe begann, ist dahin! Die Kinder sind hilflos, Ehefrau Elly fühlt sich gedemütigt - und das Schlimmste: Da ist keine Frau weit und breit, auf die sie eifersüchtig sein könnte. So zieht Elly einen Schlussstrich, packt die Koffer und zieht mit den Kindern aus. Im Dorf kennt niemand die wahre Geschichte.
